Wird WhatsApp-Verbot von Lehrern eingehalten?

WhattsApp vom Lehrer? Nein. Diesmal von den Eltern. Foto: Burgi

VS-Villingen – Messengerdienste wie WhatsApp gehören mittlerweile zum Alltag auf deutschen Schulhöfen. Lehrern ist die Nutzung zu dienstlichen Zwecken allerdings untersagt. Halten sich die Schulen in Villingen-Schwenningen daran?

Das Programm mit dem an Einzelkontakte oder an Gruppen Nachrichten, Fotos und Videos per Handy verschickt werden können, ist seit 2013 aus Datenschutzgründen seitens des Kultusministeriums Baden-Württemberg für Lehrer verboten.

Das Verbot sei allerdings nicht so eindeutig, erklärt Matthias Restorf vom Gymnasium am Hoptbühl in Villingen. So sei es eine Grauzone, die Schüler bei Unterrichtsausfall beispielsweise über den facebook-messenger davon in Kenntnis zu setzen. Dafür nutze er den Dienst. Was allerdings strikt untersagt sei, sei die Bekanntgabe von Noten über einen Messengerdienst. Restorf hält das Verbot für nachvollziehbar, in Fällen wie des Unterrichtsausfalls allerdings für unausgereift. Er hält sich aber sonst strikt daran.

Die Schulleiterin des Gymnasiums am Hoptbühl, Simone Duelli-Meßmer, weist darauf hin, dass die Whatsapp Nutzung aus datenschutzrechtlichen Gründen verboten sei. Dennoch könne es vorkommen, dass mal etwas über den Dienst weitergegeben werde. Das sei manchmal tatsächlich eine Grauzone. Wichtig sei es, so viel wie möglich direkt in der Unterrichtszeit mit den Schülern zu kommunizieren. Ein kritisches Bewusstsein im Umgang mit digitalen Medien zu schaffen sollte zudem ein Bildungsziel sein. Das Messenger-Verbot des Kultusministeriums könne vielleicht zu dieser Einstellung beitragen, so Duelli-Meßmer.

Am Gymnasium am Romäusring in Villingen gilt seit diesem Schuljahr ein absolutes Handyverbot, erklärt der Schulleiter Matthias Reuther. Hier laufe die Kommunikation über ein eigenes E-Mail-Netzwerk. Darin seien Vertretungs- und Stundenpläne einsehbar. Wenn es zu längerfristigen Ausfällen, komme, würden die jeweiligen Elternvertreter der Klasse per Mail benachrichtigt. Diese gäben die Informationen dann an die Klassen weiter. Dies habe sich in den letzten Jahren bewährt, resümiert die ­Elternbeiratsvorsitzende der Schule, Sandra Wenz.

Eine Schülerin des diesjährigen Abiturjahrgangs vom Gymnasium am Romäusring, bestätigt, dass sich die Lehrer größtenteils an das Verbot halten. Erst ab der Kursstufe zwei gebe es eine Whatsapp-Gruppe, in der Schüler und ein Lehrer seien. In dieser würden aber nur schulische Angelegenheiten ausgetauscht. Privates würde dort nicht geschrieben. In den jüngeren Klassen hätte der Lehrer zudem keine solche Gruppe.

Ein anderer Lehrer habe während einer Studienfahrt eine Whatsapp-Gruppe mit den Schülern eingerichtet, da dies einfach praktischer gewesen sei. Nach deren Ende sei diese aber wieder gelöscht worden. Ansonsten finde die Kommunikation über den E-Mail-Dienst der Schule statt.

An der Bickeberggemeinschaftsschule halte man sich an die gesetzlichen Vorgaben. Die direkte persönliche Kommunikation funktioniere derzeit gut, so der Schulleiter Alexander Hermann. Nur für das derzeitige Filmprojekt, an dem die ganze Schule beteiligt ist, sei es unabwendbar, dass die Lehrer sich über Messenger abstimmten, so der Lehrer und Initiator David Todt. Ansonsten finde die Kommunikation über E-Mail statt.

Der Elternbeiratsvorsitzende der Karl-Brachat-Realschule, Michael Grieshaber, hält das Verbot hingegen für ungeeignet. Er findet, dass eine sichere Plattform zur Verfügung gestellt werden sollte, für organisatorische Zwecke, in der es keine Fotos von Personen und keine ständige Erreichbarkeit gibt. Sie sollte aber alltagstauglich sein, sodass ein Schüler auch morgens beim Frühstück schnell überprüfen kann, ob er vielleicht erst zur zweiten Stunde in die Schule muss. Außerdem sollte ein sinnvoller Umgang mit Medien geschult werden.

An der Kaufmännischen Schule in Villingen habe man genau so ein eigenes Programm, über das Lehrer und Schüler kommunizieren können, so der Schulleiter Rainer Wittmann. Dieses können sie sich bequem auf ihr Smartphone als App herunterladen. Lediglich wenn es um die Organisation und Durchführung einer Klassenfahrt gehe, würden Whatsapp-Gruppen gegründet, in denen sowohl Lehrer als auch Schüler seien. Am Ende der Klassenfahrt würde diese dann aber umgehend wieder gelöscht, betont Wittmann.

Das bestätigt ein Schüler im ersten Berufsschuljahr. So würden alle wichtigen Dinge direkt im Unterricht besprochen. Und ein Schüler im zweiten Berufsschuljahr ergänzt, wenn es zu Unterrichtsausfall komme, nutzten die Schüler die App der Schule, in der das einsehbar sei.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass sich die meisten Lehrer an den Schulen in VS an das Verbot halten. Eine Stundenplan-App, wie sie die Kaufmännische Schule in Villingen hat, wäre für andere Schulen bestimmt auch von Vorteil. Nichtsdestotrotz gilt, dass die persönliche und direkte Kommunikation im Klassenzimmer immer noch die beste und sicherste ist. Und auch ein kritischer Umgang mit digitalen Medien sollte in der Schule besprochen werden.

Quelle: Von Andreas Bauhof 16.02.2018 Schwarzwälder-Bote

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Ein Gedanke zu „Wird WhatsApp-Verbot von Lehrern eingehalten?

  1. „morgens beim Frühstück schnell überprüfen kann, ob er vielleicht erst zur zweiten Stunde in die Schule muss.“

    Da wurde ich wohl missverstanden!

    Beim Frühstück schnell überprüfen… ist die heutige Situation!
    Alltagstauglich heißt aber, um 18 Uhr ist klar, was am nächsten Tag läuft. Ein Messenger Dienst kann das nicht leisten. Das geht ausschließlich mit einer schulinternen App die online zugänglich ist. Dies sollte doch für alle Schulen möglich sein.
    M. Grieshaber

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