Aktionsplan für den Amok-Fall

Alarmierung Was ist zu tun, wenn an einer der städtischen Schulen eine Bedrohungssituation entsteht? Dafür soll ein klares Szenario festgelegt werden.

Villingen-Schwenningen. Der Verwaltungs- und Kulturausschuss wird sich in seiner nächsten Sitzung am 7. November mit dem Thema Notfall- und Gefahrenreaktionssystem (NGRS) befassen, genau wie der Gemeinderat dann eine Woche später. Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich eine konkrete Strategie, die im Notfall angewandt werden soll.

Im Juli des vergangenen Jahres hat der Gemeinderat beschlossen, dass die Stadt in den nächsten Jahren die 24 städtischen Schulen Schritt für Schritt jeweils mit einem solchen Notfall- und Gefahrenreaktionssystem auszustatten. Dieses soll im Gefahrenfall ein bestimmtes Verhalten von Personen auslösen, die bedroht sind. Dabei geht es darum, wie und wann man Schutz sucht oder sich verbarrikadiert. Außerdem wird damit geregelt, wie Hilfe von außen durch Polizei oder Rettungskräfte geholt werden kann. Das System besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten: der NGRS-Anlage in der jeweiligen Schule und der privaten Leitstelle als zentrale Anlaufstelle für Meldungen aus der Anlage.

Eine externe Aufschaltung auf die örtliche Polizei ist nicht möglich. Deshalb muss die Meldung bei einer solchen privaten Leitstelle eingehen, wenn in der Schule der Alarmknopf gedrückt wird. Diese Leitstelle informiert dann grundsätzlich immer zuerst die Polizei. Erst danach werden die Schulleitung, der Schulträger und andere Stellen informiert.

Friedensschule mit Pionierrolle

Die Friedensschule in Schwenningen soll nun eine Pionierrolle einnehmen: Hier ist die entsprechende Anlage bereits installiert. Mit der Aufschaltung auf die private Leitstelle bei der Wach- und Schließbetriebe Hohentwiel in Singen soll die Schule nun „zeitnah“, wie es die Verwaltung umschreibt, mit einem NGRS als erste an den Start gehen. Die Friedensschule wird ab dem nächsten Schuljahr große Ganztagsgrundschule.

Grundsätzlich gilt, dass die NGRS-Anlage nichts mit dem Feuermeldesystem zu tun hat. Bei beiden werden jeweils unterschiedliche Lautsprecheransagen ausgelöst. Es sind auch verschiedene Verhaltensweisen vorgeschrieben. So gilt es bei Feueralarm, schnellstmöglich die Schule zu verlassen, während im anderen Gefahrenfall alle im Klassenzimmer bleiben sollen. Zudem werden verschiedene Einsatzkräfte aktiviert: bei Feuer die öffentliche Leitstelle und die Feuerwehr, im Gefahrenfall die private Leitstelle und die Polizei.

Das Amt für Jugend, Bildung, Integration und Sport als zuständiger Schulträger hat festzulegen, in welcher Reihenfolge welche Ansprechpartner im Falle einer Auslösung des Alarmsystems im Gefahrenfall informiert werden sollen oder müssen. Für den Aktionsplan wurden das Polizeipräsidium Tuttlingen, das staatliche Schulamt Donaueschingen, der geschäftsführende Schulleiter sowie der Gesamtelternbeirat der Stadt Villingen-Schwenningen miteinbezogen. Vor allem die Vertreter des Elternbeirats wunderten sich in dem Zusammenhang, dass es anscheinend hierzu bislang keine offiziellen Vorgaben gibt. Nichtsdestotrotz brachten auch sie ihre Vorschläge für eine Alarmierungskette ein.

Genauer Ablauf festgelegt

Im Gefahrenfall sollen demnach über Notruf entweder per Telefon oder Mobiltelefon folgende Ansprechpartner durch die private Leitstelle informiert werden: erst das Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Tuttlingen, dann die Alarmrückrufnummer der betroffenen Schule, wobei die ständige telefonische Erreichbarkeit der Schulleitung sichergestellt sein muss.

Die Leitstelle erfragt hierzu bei jedem telefonischem Kontakt ein vereinbartes Codewort.

Als drittes soll die Stadt Villingen-Schwenningen als Schulträger unter einer speziellen Telefonnummer alarmiert werden.

Die Alarmierung der Rettungsdienste, der Feuerwehr, der Notfallseelsorge und eventuell anderer Stellen im Kontext eines Amokalarms soll das Führungs- und Lagezentrum des Polizeipräsidiums Tuttlingen übernehmen.

Für die Verständigung der Schulverwaltung, des Hausmeisters sowie des staatlichen Schulamts ist unterdessen die Schulleitung zuständig.

Quelle: 30.10.2018 NQ dsc

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